Buchempfehlung März 2026
Artikel
- Veröffentlicht
- 28. März 2026
- Lesezeit
- 3 Min.
- Autor
- Cornelius Schmale
Buchempfehlung
Between the Devil and the Deep
One Man's Battle to Beat the Bends
von Mark Cowan & Martin Robson
Wer sich ernsthaft mit technischem Tauchen beschäftigt – sei es Mischgastauchen, Höhlentauchen oder das Tauchen mit Rebreathern – kommt an einem Thema nicht vorbei: der Dekompressionskrankheit. Sie ist der unsichtbare Begleiter jedes Tieftauchgangs, das Restrisiko, das auch bei perfekter Planung und Ausführung nie ganz verschwindet. Genau diesem Thema widmet sich Between the Devil and the Deep auf eine Art, die ich so noch in keinem Tauchbuch gelesen habe.
Worum geht es?
Im Zentrum steht Martin Robson – ehemaliger Royal Marine Commando und einer der erfahrensten technischen Taucher und Höhlentaucher weltweit. 2012 leitete Robson eine internationale Expedition zum Blue Lake im russischen Kaukasus, einem abgelegenen Bergsee, in dem ein unerforschtes Höhlensystem vermutet wurde. Am letzten Tag der Expedition tauchte Robson tiefer als je ein Mensch zuvor in diesem See – über 200 Meter. Beim Aufstieg, auf nur noch 23 Metern Tiefe, traf ihn die Dekompressionskrankheit mit voller Wucht: Gasblasen explodierten in seinem Rückenmark, seine Beine waren sofort gelähmt.
Was folgt, ist ein Überlebenskampf, der unter Tauchmedizinern als nahezu aussichtslos gilt: Robson entschied sich gegen den Aufstieg zur Oberfläche – der ihn wahrscheinlich getötet hätte – und sank stattdessen zurück in die Tiefe, um eine In-Water-Recompression durchzuführen. Ein Verfahren, das die meisten Tauchmediziner als selbstmörderisch einstufen. Sein Überleben hing letztlich von einer dramatischen Rettungsmission ab, die bis in die höchsten Ebenen der russischen Regierung koordiniert wurde.
Was macht das Buch besonders?
Autor Mark Cowan – selbst erfahrener technischer Rebreather-Taucher – gelingt etwas Seltenes: Er verwebt Robsons persönliche Geschichte mit der faszinierenden und oft grausamen Historie der Dekompressionskrankheit. Von den ersten dokumentierten Fällen bei Caissonarbeitern im 19. Jahrhundert über die Entwicklung der Dekompressionstabellen bis hin zur modernen Tauchmedizin spannt sich der Bogen. Die wissenschaftlichen Hintergründe – Gasgesetze, Blasenbildung, Sättigungsphysiologie – werden dabei so erklärt, dass sie sowohl für Laien verständlich als auch für erfahrene Taucher lehrreich bleiben.
Als Tauchlehrer, der selbst Dekompressionskurse und Extended-Range-Ausbildungen durchführt, kann ich bestätigen: Selbst mir waren einige der historischen Details neu. Das Buch erweitert das Verständnis für die Risiken des technischen Tauchens auf eine Weise, die kein Lehrbuch leisten kann – weil es diese Risiken nicht abstrakt darstellt, sondern erlebbar macht.
Für wen ist das Buch geeignet?
Dieses Buch richtet sich an verschiedene Lesergruppen:
Für erfahrene Sporttaucher, die mit dem Gedanken spielen, ins technische Tauchen einzusteigen, ist es eine eindringliche Vorbereitung auf das, was jenseits der Nullzeitgrenzen wartet. Es zeigt mit schonungsloser Ehrlichkeit, welche Konsequenzen solche Tauchgänge haben können – auch wenn auf den ersten Blick keine Fehler gemacht wurden – und macht deutlich, warum eine fundierte Ausbildung im technischen Tauchen so entscheidend ist.
Für technische Taucher bietet das Buch wertvolle Einblicke in Extremsituationen und Notfallverfahren. Die detaillierte Darstellung von Robsons Entscheidungsprozess unter Wasser – gelähmt, in der Kälte, mit begrenztem Gas – ist eine Lektion in mentalem Management, die in keinem Kursmanual steht.
Und für alle, die sich für Abenteuer und Exploration interessieren, ist es schlicht ein fesselnder Thriller, der an Spannung kaum zu überbieten ist.
Und zu guter Letzt werden all diejenigen ihre Freude an dem Buch haben, die sich für die Geschichte der Dekompressionsforschung interessieren.
Mein Fazit
Between the Devil and the Deep ist ein rundum gelungenes Buch, das packende Erzählung mit fundiertem Fachwissen verbindet. Es vermittelt ein greifbares Verständnis für die Dekompressionskrankheit – nicht durch trockene Theorie, sondern durch eine Geschichte, die unter die Haut geht. Wer technisches Tauchen betreibt oder sich dafür interessiert, sollte dieses Buch gelesen haben. Und wer nach der Lektüre Lust bekommt, den Einstieg ins technische Tauchen unter professioneller Anleitung zu wagen: Meine Kurse stehen euch offen.
Das Buch ist derzeit nur in englischer Sprache verfügbar, aber auch für Nicht-Muttersprachler gut zu verstehen.